Der Frontzahn verabschiedet sich bei einem Fahrrad-Crash. Der hinterste Backenzahn fällt einer Bakterien-Attacke zum Opfer. Trotz peinlich genauer Mundhygiene halten Zähne leider nicht immer ein Leben lang. Im vergangenen Jahr wollten 300.000 Bundesbürger ihre gesunde Zahnsubstanz nicht für eine prothetische Versorgung opfern und haben sich für ein Implantat entschieden. Dr. Rolf Vollmer, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie e.V.(DGZI), Düsseldorf, nennt die Chancen und Risiken der Zahnimplantate.
Was ist eigentlich ein Implantat ?
Ein Implantat ist im Grunde genommen eine kleine Schraube, die - technisch ähnlich wie der aus dem Handwerk bekannte Dübel – in den Kiefer eingesetzt wird. Diese Schraube heilt in den Knochen ein und ist dann später in der Lage, eine Krone zu tragen die den natürlichen Zahn imitiert.
Welches ist das optimale Material, welches die geeignetste Form ?
Am besten bewährt hat sich das Material Titan. Die Implantate die heute auf dem Markt sind, bestehen nahezu 100 Prozent aus Titan und dessen Legierung. Aus dem von Zahnkronen bereits bekannten und bewährten Zirkonium werden jetzt auch Implantate hergestellt. Das weiße, keramikähnliche Material ist stahlhart. Es fehlen jedoch noch Langzeituntersuchungen. In 95 Prozent der Fälle werden Schraubenimplantate eingesetzt, weil sich ihre Form als die günstige erwiesen hat.
Was ist von sogenannten Sofortimplantaten zu halten?
Sofortimplantate werden direkt nach dem Entfernen eines Zahns eingesetzt. Häufig sogar in der selben Sitzung. Im Einzelfall gibt es auch die Möglichkeit, ein gerade eingesetztes Implantat mit einer Krone zu versehen, so dass man hier von einer Sofortversorgung der Lücke sprechen kann. Sofort belastet werden sollte dieses Implantat jedoch nur entsprechend der Qualität des Knochens. Es erhöht die Misserfolgsquote erheblich, wenn ein Implantat in eine sehr starken Druck ausgesetzten Kieferregion mit schwachem Knochen eingesetzt und sofort belastet wird.
Wie hoch ist die Lebensdauer eines Implantats, wie hoch ist die Erfolgsrate einer Implantation ?
Die Lebensdauer von Implantaten liegt, ähnlich wie beim Zahnersatz, bei durchschnittlich 7 bis 15 Jahren. Die Erfolgsrate bei einem „ Standardkiefer“ beträgt heute 97 Prozent – nahezu 100 Prozent.
In welchen Fällen wird implantiert ?
Die häufigsten Indikationen: 1. Ein Zahn fehlt und die Lücke wird mit einem Implantat plus Krone geschlossen. Vorteil: Die Nachbarzähne müssen nicht für eine Brücke abgeschliffen werden. 2. Dem Patienten fehlen auf einer oder mehreren Seiten im hinteren Kieferbereich mehrere Zähne. Statt einem herausnehmbaren Zahnersatz können Implantate eingesetzt werden. Der Patient ist wieder mit festen Zähnen versorgt. 3. Wenn überhaupt keine Zähne mehr vorhanden sind, können Implantate beispielsweise dazu benutzt werden, eine Prothese zu verankern und zu stabilisieren.
Kommen Implantate für jeden in Frage ?
Ja, im Prinzip kommen sie für jeden in Frage- unabhängig vom Alter. Es gibt allerdings auch Gegenanzeigen: schwere Erkrankungen des Patienten, unter Umständen Tumore, ein nicht eingestellter Diabetes, lokale starke Zahnfleischentzündungen, Wundheilstörungen oder auch Medikamente wie etwa die Bisphosphonate gegen Osteoporose. Sie stehen im Verdacht, den Kiefer durch Nekrosen zu zerstören. Relative Gegenanzeigen sind Nikotin und Alkohol.
Was tun, wenn der Kiefer zu dünn ist ?
Der Knochen kann auf verschiedene Art wieder aufgebaut werden. Man kann dem Patienten z.B. Knochen im Kieferbereich entnehmen und diesen verpflanzen. Sollte noch mehr benötigt werden, kann Knochen aus der Hüfte entnommen werden. Mittlerweile gibt es jedoch auch Knochenersatz-Materialien, die menschlichen, tierischen oder auch synthetischen Ursprungs sind. Auch diese Knochenaufbau-Maßnahmen funktionieren recht gut.
Wie geht eine Implantation vor sich ?
In örtlicher Betäubung wird das Zahnfleisch etwas zur Seite geschoben und der Knochen freigelegt. Nun kann eine Bohrung vorgenommen werden, in die das Implantat eingeschraubt wird. Handelt es sich nicht um eine Sofortversorgung, wird eine Deckschraube oder Einheilkappe auf das Implantat installiert, das Zahnfleisch wieder zugenäht. Die Einzelheit im Unterkiefer beträgt im Schnitt drei, im Oberkiefer fünf bis sechs Monate. Meist wird der Patient übergangsweise mit einem Provisorium versorgt.
Gibt es Risiken ?
Es kann Verletzungen von Nerv und Nebenhöhlen, Schädigung des Knochens und Blutungen kommen. Und: Das Implantat kann vor allem in der Einheilphase verloren gehen, wenn es zu Entzündungen kommt. Sie sind oft Resultat einer unzulänglichen Mundhygiene.
Wie teuer ist ein Implantat ?
Ein Einzelimplantat inklusive Krone kostet zwischen 1400 und 2000 Euro. Nur die privaten Krankenkassen bezuschussen die Versorgung der Zahnlücke. Der Patient entscheidet über die Art der Versorgung. So werden die Kronen und das Implantat quasi indirekt bezuschusst.
Implantat- ja oder nein ?
Das ist zu bedenken:
Der Patient sollte überzeugt von einem Implantat sein. Nur dann arbeitet er aktiv an dessen „Langlebigkeit“ mit.
Akribische Zahnpflege ist das A und O. Und zwar nicht nur mit der Zahnbürste, sondern auch mit Zahnseide und Interdentalbürste. Selbstverständlich sollte auch eine halbjährliche professionelle Zahnreinigung sein. Wem das alles zu viel Arbeit ist, der sollte sich gegen ein Implantat entscheiden.
Eine gesunde Ernährung mit viel Rohkost trägt eben falls zu einer langen Verweildauer des Implantats bei. Ebenso ein moderater Umgang mit Alkohol und Nikotin
Besteht ein Diabetes, muss der optimal eingestellt sein, sonst kann sich das Implantat „verabschieden“.