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Die Osteoporose – Ein Risikofaktor für Zahnimplantate ?

 

Ein Beitrag von Prof. Werner Götz, Leiter der Oralbiologischen Grundlagen- forschung der Zahnklinik an der Universität Bonn

 

Die Osteoporose („Knochenschwund“) ist in den letzten Jahren vermehrt in das Blickfeld der Bevölkerung geraten. Zunehmend fragen sich Betroffene, die an dieser Knochenkrankheit leiden, ob wegen ihrer Erkrankung auch negative Auswirkungen bei Zahnbehandlungen zu erwarten sind. Berichte über unerwünschte Nebenwirkungen bestimmter Osteoporose-Medikamente in der Mundhöhle haben zu Verunsicherungen geführt, besonders auch im Hinblick auf die Behandlung mit Zahnimplantaten, also dem Einpflanzen sog. künstlicher Zahnwurzeln. Die DGZI, Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie e. V. informiert in regelmäßigen Abständen Patienten über verschiene Risikofaktoren und Methoden bei der Behandlung mit Zahnimplantaten.  

 

Die Osteoporose ist eine bedeutende Volkskrankheit. In Deutschland sind ca. 7 Millionen Menschen davon betroffen, wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich noch höher liegt. Hauptsymptome sind Knochenbrüche, die sogar schon nach Bagatellverletzungen auftreten können. Knocheneinbrüche an der Wirbelsäule, die oft unerkannt bleiben, sind häufig und führen zu sehr starken Schmerzzuständen. Im Laufe der Jahre kommt es bei den Patienten zu Verkrümmungen der Wirbelsäule („Buckelbildung“) und einer Abnahme der Körpergröße. Bewegungseinschränkungen und eine Verschlechterung der Lebensqualität sind die Folge. Die Osteoporose ist eine schleichende Erkrankung des gesamten Skeletts. Die Masse des vorhandenen Knochens wird vermindert, weil das normale Gleichgewicht von Knochenbildung und -abbau gestört ist. Die Knochen werden brüchiger. Die Ursachen der Erkrankung sind vielfältig: Neben einer familiären Veranlagung (genetisch) sind es vor allem die Geschlechtshormone, die mit zunehmendem Alter in geringeren Mengen produziert werden. Normalerweise haben diese Hormone eine fördernde Wirkung auf den Stoffwechsel und den Knochenumbau. Deswegen sind von einer Osteoporose häufig Frauen nach den Wechseljahren betroffen (postmenopausale Osteoporose). Chronischer Bewegungsmangel, das Rauchen oder ein sehr niedriges Körpergewicht gelten ebenfalls als Risikofaktoren. In seltenen Fällen kann eine Osteoporose auch durch Stoffwechselkrankheiten oder die Einnahme bestimmter Medikamente bedingt sein. Zunehmend wird die Krankheit bei Männern diagnostiziert. Bei Verdacht auf Osteoporose wird der Arzt neben Röntgen- und Laboruntersuchungen eine Messung der Knochendichte veranlassen. Diese für den Patienten einfache und schmerzlose Messung gibt eine zuverlässige Aussage über Vorliegen und Schweregrad eines Knochenschwunds. Bei der Therapie spielen die Schmerzbehandlung und Krankengymnastik eine große Rolle. Weiterhin steht heute eine ganze Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die in den gestörten Knochenstoffwechsel eingreifen und dem Abbau von Knochengewebe entgegenwirken.

Trotz jahrelanger Studien und Forschungen ist es bis heute nicht ganz klar, ob eine Osteoporose sich auch auf die Kieferknochen und die Zähne auswirkt. Man geht zwar davon aus, dass bei Vorliegen der Erkrankung auch die Knochenqualität im

Kieferbereich eine schlechtere ist, dass aber aufgrund der besonderen Beanspruchungen und Belastungen, z.B. durch das Kauen, dort ein gewisser Schutz vor starkem Knochenverlust gegeben ist. Zahnausfall oder vermehrte Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) sind bei Osteoporose eher nicht zu erwarten. Langjährige Erfahrungen von Zahnärzten und Kieferchirurgen, die Zahnimplantate als künstliche Zahnwurzeln einsetzen, und wissenschaftliche Veröffentlichungen haben gezeigt, dass bei Vorliegen einer Osteoporose keine vermehrten Komplikationen zu erwarten sind und die Implantate ebenso gut einheilen und belastbar sind wie bei Gesunden. Eine Behandlung mit Zahnimplantaten kann jedoch dann erschwert oder unmöglich sein, wenn neben einer Osteoporose noch andere Allgemeinerkrankungen wie z. B. ein schwer einstellbarer Diabetes, Immunschwächen, Blutgerinnungsstörungen oder ein zuvor erlittener Herzinfarkt vorliegen.

Viele Patienten mit Osteoporose werden mit Medikamenten behandelt, die zur Gruppe der so genannten Bisphosphonate gehören. Diese Medikamente hemmen die Zellen, die im Knochen für den Abbau der Knochensubstanz verantwortlich sind. Stark wirksame Bisphosphonate werden sehr erfolgreich bei Patienten eingesetzt, die an Krebs erkrankt sind, da mit ihnen Tochtergeschwülste (Metastasen) im Skelett bekämpft werden können. Bei diesen Krebspatienten wurde in letzter Zeit häufiger über Nebenwirkungen in der Mundhöhle berichtet, die manchmal auch nach zahnärztlichen Behandlungen auftraten. Dabei kam es zu Entzündungen und Geschwüren an der Schleimhaut und im Kieferknochen. In bisher nur wenigen Fällen traten diese Nebenwirkungen auch bei Osteoporose-Patienten auf. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie an zahlreichen Osteoporose-Patienten, die regelmäßig diese Medikamente einnehmen und sich Zahnimplantate einsetzen ließen, zeigte aber, dass es nach Beobachtung über mehrere Jahre bei keinem der Betroffenem zu Komplikationen oder sogar der Verlust der Implantate gekommen war.

 

Sofern keine weiteren Allgemeinerkrankungen vorliegen, stellt somit eine Osteoporose-Erkrankung nach jetzigem Wissen kein Hindernis für eine zahnärztliche Implantatbehandlung dar. Dies gilt auch für die Einnahme von Medikamenten zur Therapie der Osteoporose. Im Einzelfall sollten sich aber Osteoporose-Patienten, die eine Behandlung mit Zahnimplantaten wünschen, an ihren Zahnarzt oder behandelnden Arzt wenden, um mit ihm weitere Fragen oder Bedenken abklären zu können.

 

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Der Apotheken-Spiegel beschäftigte sich in einer Ausgabe u. a. mit dem Thema Zahnimplantate
 
Unter dem Titel "Ganz tief verwurzelt" erklärte Dr. Rolf Vollmer im Experteninterview auf patientenverständliche Art und Weise u. a. den Verlauf einer Implantation und klärte über Chancen, Risiken und finanzielle Aspekte auf. 

Der Frontzahn verabschiedet sich bei einem Fahrrad-Crash. Der hinterste Backenzahn fällt einer Bakterien-Attacke zum Opfer. Trotz peinlich genauer Mundhygiene halten Zähne leider nicht immer ein Leben lang. Im vergangenen Jahr wollten 300.000 Bundesbürger ihre gesunde Zahnsubstanz nicht für eine prothetische Versorgung opfern und haben sich für ein Implantat entschieden. Dr. Rolf Vollmer, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie e.V.(DGZI), Düsseldorf, nennt die Chancen und Risiken der Zahnimplantate.

 

Was ist eigentlich ein Implantat ?

Ein Implantat ist im Grunde genommen eine kleine Schraube, die - technisch ähnlich wie der aus dem Handwerk bekannte Dübel – in den Kiefer eingesetzt wird. Diese Schraube heilt in den Knochen ein und ist dann später in der Lage, eine Krone zu tragen die den natürlichen Zahn imitiert.

 

Welches ist das optimale Material, welches die geeignetste Form ?

Am besten bewährt hat sich das Material Titan. Die Implantate die heute auf dem Markt sind, bestehen nahezu 100 Prozent aus Titan und dessen Legierung. Aus dem von Zahnkronen bereits bekannten und bewährten Zirkonium werden jetzt auch Implantate hergestellt. Das weiße, keramikähnliche Material ist stahlhart. Es fehlen jedoch noch Langzeituntersuchungen. In 95 Prozent der Fälle werden Schraubenimplantate eingesetzt, weil sich ihre Form als die günstige erwiesen hat.

 

Was ist von sogenannten Sofortimplantaten zu halten?

Sofortimplantate werden direkt nach dem Entfernen eines Zahns eingesetzt. Häufig sogar in der selben Sitzung. Im Einzelfall gibt es auch die Möglichkeit, ein gerade eingesetztes Implantat mit einer Krone zu versehen, so dass man hier von einer Sofortversorgung der Lücke sprechen kann. Sofort belastet werden sollte dieses Implantat jedoch nur entsprechend der Qualität des Knochens. Es erhöht die Misserfolgsquote erheblich, wenn ein Implantat in eine sehr starken Druck ausgesetzten Kieferregion mit schwachem Knochen eingesetzt und sofort belastet wird.

 

Wie hoch ist die Lebensdauer eines Implantats, wie hoch ist die Erfolgsrate einer Implantation ?

Die Lebensdauer von Implantaten liegt, ähnlich wie beim Zahnersatz, bei durchschnittlich 7 bis 15 Jahren. Die Erfolgsrate bei einem „ Standardkiefer“ beträgt heute 97 Prozent – nahezu 100 Prozent.

 

In welchen Fällen wird implantiert ?

Die häufigsten Indikationen: 1. Ein Zahn fehlt und die Lücke wird mit einem Implantat plus Krone geschlossen. Vorteil: Die Nachbarzähne müssen nicht für eine Brücke abgeschliffen werden. 2. Dem Patienten fehlen auf einer oder mehreren Seiten im hinteren Kieferbereich mehrere Zähne. Statt einem herausnehmbaren Zahnersatz können Implantate eingesetzt werden. Der Patient ist wieder mit festen Zähnen versorgt. 3. Wenn überhaupt keine Zähne mehr vorhanden sind, können Implantate beispielsweise dazu benutzt werden, eine Prothese zu verankern und zu stabilisieren.

 

Kommen Implantate für jeden in Frage ?

Ja, im Prinzip kommen sie für jeden in Frage- unabhängig vom Alter. Es gibt allerdings auch Gegenanzeigen: schwere Erkrankungen des Patienten, unter Umständen Tumore, ein nicht eingestellter Diabetes, lokale starke Zahnfleischentzündungen, Wundheilstörungen oder auch Medikamente wie etwa die Bisphosphonate gegen Osteoporose. Sie stehen im Verdacht, den Kiefer durch Nekrosen zu zerstören. Relative Gegenanzeigen sind Nikotin und Alkohol.

 

Was tun, wenn der Kiefer zu dünn ist ?

Der Knochen kann auf verschiedene Art wieder aufgebaut werden. Man kann dem Patienten z.B. Knochen im Kieferbereich entnehmen und diesen verpflanzen. Sollte noch mehr benötigt werden, kann Knochen aus der Hüfte entnommen werden. Mittlerweile gibt es jedoch auch Knochenersatz-Materialien, die menschlichen, tierischen oder auch synthetischen Ursprungs sind. Auch diese Knochenaufbau-Maßnahmen funktionieren recht gut.

 

Wie geht eine Implantation vor sich ?

In örtlicher Betäubung wird das Zahnfleisch etwas zur Seite geschoben und der Knochen freigelegt. Nun kann eine Bohrung vorgenommen werden, in die das Implantat eingeschraubt wird. Handelt es sich nicht um eine Sofortversorgung, wird eine Deckschraube oder Einheilkappe auf das Implantat installiert, das Zahnfleisch wieder zugenäht. Die Einzelheit im Unterkiefer beträgt im Schnitt drei, im Oberkiefer fünf bis sechs Monate. Meist wird der Patient übergangsweise mit einem Provisorium versorgt.

 

Gibt es Risiken ?

Es kann Verletzungen von Nerv und Nebenhöhlen, Schädigung des Knochens und Blutungen kommen. Und: Das Implantat kann vor allem in der Einheilphase verloren gehen, wenn es zu Entzündungen kommt. Sie sind oft Resultat einer unzulänglichen Mundhygiene.

 

Wie teuer ist ein Implantat ?

Ein Einzelimplantat inklusive Krone kostet zwischen 1400 und 2000 Euro. Nur die privaten Krankenkassen bezuschussen die Versorgung der Zahnlücke. Der Patient entscheidet über die Art der Versorgung. So werden die Kronen und das Implantat quasi indirekt bezuschusst.

 

Implantat- ja oder nein ?

Das ist zu bedenken:

 

Der Patient sollte überzeugt von einem Implantat sein. Nur dann arbeitet er aktiv an dessen „Langlebigkeit“ mit. 

 

Akribische Zahnpflege ist das A und O. Und zwar nicht nur mit der Zahnbürste, sondern auch mit Zahnseide und Interdentalbürste. Selbstverständlich sollte auch eine halbjährliche professionelle Zahnreinigung sein. Wem das alles zu viel Arbeit ist, der sollte sich gegen ein Implantat entscheiden.

 

Eine gesunde Ernährung mit viel Rohkost trägt eben falls zu einer langen Verweildauer des Implantats bei. Ebenso ein moderater Umgang mit Alkohol und Nikotin

 

Besteht ein Diabetes, muss der optimal eingestellt sein, sonst kann sich das Implantat „verabschieden“.
 
 
 
 

Implantate als Zahnersatz – Wissenschaftlich anerkannt
 

Immer mehr Betroffene entscheiden sich beim Zahnersatz für Implantate. Doch worauf kommt es dabei an? Die Redaktion des Patientenportals sprach dazu mit Dr. Roland Hille, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie e. V. (DGZI).

Redaktion: Herr Dr. Hille, können Sie uns bitte kurz Ihre Gesellschaft vorstellen?
Dr. Roland Hille: Die DGZI ist die älteste wissenschaftliche Fachgesellschaft in Europa. Mit mehr als 3.000 Mitgliedern in Deutschland und mehr als 10.000 kooperierenden Mitgliedern weltweit, dürften wir auch eine der größten Verbände dieser Art sein. Aber Größe allein ist es nicht, was zählt. Wir legen bei unseren Mitgliedern einen großen Maßstab bei der Qualifikation und auf die berufliche Weiterbildung. So gibt es schon seit vielen Jahren in der DGZI ein geschlossenes Fortbildungskonzept vom implantologischen Einsteiger bis zum Spezialisten Implantologie DGZI.
 
Redaktion: Welchen Stellenwert nehmen derzeit Implantate beim Zahnersatz ein?
Dr. Roland Hille: Die Nachfrage nach Zahnimplantaten ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Die Implantologie ist eine wissenschaftlich anerkannte Therapieform. Implantate verhindern das Schrumpfen des Kieferknochens, da die Kraft wie bei einem eigenen Zahn in den Kieferknochen geleitet wird. Darüber hinaus muss der Zahnarzt gesunde Zähne nicht zur Aufnahme einer Brücke oder Krone abschleifen. Zudem stabilisieren Implantate den Zahnersatz, auch wenn keine Zähne mehr vorhanden sind.
 
Redaktion: Ist diese Behandlungsmethode nicht recht kostspielig?
Dr. Roland Hille: Seit 1. Januar 2005 beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen mit einem Festzuschuss am Zahnersatz. Dies hat für den Patienten den Vorteil, dass er auch seinen Zuschuss behält, wenn er sich für Implantate entscheidet. Bei Privatversicherten übernimmt die Versicherung bei medizinischer Notwendigkeit die Kosten.
 
Redaktion: Wie finde ich einen Spezialisten in meiner Nähe?
Dr. Roland Hille: Bei der Suche nach einem Spezialisten hilft die DGZI. Sie befasst sich stark mit Qualifikation und Qualitätssicherung in der zahnärztlichen Implantologie.
Bereits 1992 führte sie Prüfungen nach strengen Richtlinien ein. Dabei legt sie besonderen Wert auf die chirurgische und prothetische Ausbildung der Implantologen. Ein „Spezialist Implantologie – DGZI“ muss in den letzten fünf Jahren ein Minimum von 400 Implantaten eingesetzt haben und sich nachweislich stetig auf den neuesten Stand der Technik weitergebildet haben. Die DGZI hat seit letztem Jahr eine Patientenplattform im Internet eingerichtet. Hier findet man nicht nur eine Vielzahl von Implantologen, sondern erhält auch wichtige Informationen zu anderen Therapiegebieten und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das alles gut aufbereitet unter www.dgzi-info.de. Wer einen Fachmann in seiner Umgebung sucht oder mehr Informationen möchte, kann diese auch über die DGZI Hotline kostenfrei anfordern unter Tel. 0800-DGZITEL oder Fax 0800-DGZIFAX. Das DGZI-Patientenreferat sendet dann Adressen in der gefragten Umgebung und auch eine Informationsbroschüre rund um Zahnimplantate. Im Internet und auch auf unserer Patientenhomepage kann man somit nicht nur einen Implantologen in seiner Nähe suchen und finden, sondern sich auch gezielt über die verschiedensten Behandlungsmethoden und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Zahnmedizin informieren.